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Chinesische Reiseweisheiten - Wuhan in China (von Herbert Eder)
Beschissen! Total beschissen stehen Anna und ich am Rande der Strasse. Die Sonne brennt unbarmherzig auf uns herab. Schweiss  und Dreck vermischen sich im Gesicht und lassen den Unterschied zwischen uns und den Rucksäcken nur noch erahnen. Wir sehnen uns nach einem Zimmer, einer Dusche, auch wenn sie nur tröpfelt, ein Stück Seife und irgendetwas Kaltem. Unsere Füsse brennen, während Autos von denen die meisten das Prädikat Schrott verdienen würden, im bunten Gemisch mit Moped`s, Fahrrädern und Holzkarren die mehr als nur überladen sind, mit Kreischen, Knattern, Hupen und Wolken von Auspuffgasen an uns vorüberziehen.
Schon längst habe ich meinen Chinareiseführer zwischen der nach moder riechender Wäsche herausgesucht, um nach einem für uns passendem Hotel zu schauen. Scheisse, entkommt es mir. Dass alles, diese verfluchte Tour wäre uns erspart geblieben, hätten wir nicht gestern um 1000 km zu früh das Schiff am “Jangtse Jiang“ verlassen. Aber bei so viel Namengleichheit zwischen Orten, Städten und Bezirken kann so etwas passieren. Nun stehen wir wie Idioten an der Straße und hoffen auf das erscheinen eines Taxis. Na endlich! Eine Klapperkiste hält endlich vor uns an, und ein Chinese lächelt uns, sein Gebiss zeigend, durch´s Lenkrad durch, zu. Ich begrüsse ihn mit einem Hello und noch irendwas Englischem. Doch ein Kopfschütteln ist die Antwort, wie fast überall, wie fast immer, ich zeige ihm den Reiseführer, in dem die Namen Gott seis gedankt auch auf chinesisch stehn.
Er liest und blättert, blättert und liest. Das Buch scheint ihm zugefallen. Mir wird es zu blöd. Schweissbäche rinnen uns runter, ich nehme  ihm mit einem, yes please, das Buch aus der Hand. Er schüttelt nein - ich denke mir blöder Hund und er fährt ab. Er fädelt sich ein in das wirre Strassenchaos und verschwindet aus unseren Augen. Ich schaue Anna an, die, wie eine nasse Ratte auf ihrem Rucksack sitzt. Wir können es nicht verstehen, ist doch Hotel, Strasse und so weiter sehr gut beschrieben. So warten wir weiter bei flimmernder Mittagsbrut. Nach Minuten der Ewigkeit schlängelt sich endlich wieder einer an uns heran. Die Prozedur beginnt von neuem. Hello, er zeigt die Zähne, How are you, er zeigt die Zähne, Hotel, und wieder die Zähne. Ich gebe ihm das Buch. Er beginnt zu blättern, verflucht er liest überhaupt nicht Ich zeig ihm den Nahmen des Hotels, er zeigt auf Bilder, Landkarten und Pläne ich wieder aufs Hotel. Er lächelt endlich (SUPER) zeigt die Zähne, schüttelt den Kopf und fährt ab.
Scheiße, das gibt es ja nicht. Wir bleiben zurück wie begossene Pudel und sind schön langsam sauer. Das warten geht weiter, wir sind froh das uns keiner sieht in unserem erbärmlichen Outfit. Aber, aber, da ist ja schon wieder einer der vor uns bremst. Ich rede erkläre, beschreibe und zeige, er lächelt nicht, sondern winkt uns ins Auto. Na, es klappt ja doch noch. Anna und ich verladen die Rucksäcke, denn der Herr würde diese schmutzigen Dinger nie berühren. Wir zwängen uns hinein auf die Chinesischen Sitze und sind erstmal froh von der Straße zu sein. Wir tauchen ein in den Moloch Verkehr um uns Stosstange an Stosstange voran schieben zu lassen. Fix und fertig klemmen und kleben wir auf den Plastiksitzen. Eine unnatürliche fast brutale Kälte bläst uns aus der Aircondition entgegen. Lippen und Mund trocknen uns weiter aus, das Reden fällt uns schwer. Wir verlassen die Hauptstraße und drängen uns in schmale Gassen. Der Verkehrstrom wird zum Menschenstrom . Nur Schrittweise tastet sich der Fahrer voran. Eine Geruchsmischung aus Fleisch, Fisch, Eisenabfällen und Auspuffgasen dringt zu uns herein. Schweinehälften und von Fliegen übersäte, lebende sowie tote Enten und Hühner, liegen aufgereiht neben Fischständen, Autowerkstätten, Schlossereien und Tischlereien. Die Gegend wird ruhiger, wir müssten es bald geschafft haben und freuen uns riesig auf ein Zimmer. Der Fahrer hält an und wir schauen saublöd aus dem Fenster. Wo ist das Hotel? Da ist ja nur ein Loch!? Der Fahrer versucht es uns zu erklären, vor einem Jahr abgerissen. Nun verstehen wir warum uns die ersten Taxis nicht mitgenommen haben.
Die einzige Gewissheit die bleibt ist, die Deppen sind wir.
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